Die Verbesserung des Fernsehens am Nachmittag

Karl Heinz Jeron • 2006

Die Aufführung inszeniert Fernsehgerichtsshows mit kleinen Robotervehikeln als absurdes Theater.

Die Installation dekonstruiert das Fernsehformat „Gerichtsshow“ durch Überaffirmation. Die gesprochenen Texte der einzelnen Protagonisten – Richter,Staatsanwalt, Verteidiger, Angeklagter und Zeugen – der Gerichtsshows wurden isoliert, transkribiert und im Computer erfasst. Die Stereotypen und Abnormitäten dieser Texte sind die Basis der Dialoge von Richter, Staatsanwalt, Verteidiger, Angeklagter und Zeuge. Eine Text2Speech-Software wandelt diese Dialoge in Sprachdateien und sendet sie an kleine, audiofähige Robotervehikel. Die Vehikel agieren als Schauspieler in einer Art Filmset, einem Diorama aus MDF im Maßstab 1 zu 20. Es besteht im Wesentlichen aus einem Fenster, Tischen, kleinen Büchern und Stiften für Richter, Staatsanwalt und Verteidiger.

„Der Angeklagte Wolfgang Günther wird wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen à 130 Euro verurteilt. Des weiteren trägt der Angeklagte die Kosten des Verfahrens.“ Auf diesen Satz hat das Publikum gewartet, sowohl im Saal als auch zu Hause vor den Bildschirmen: Der Angeklagte bekommt, was er verdient. In diesem Fall hatte er in seiner Heimatstadt das Recht in eigene Hände genommen und eine mit Baseballschlägern bewehrte Bürgermiliz ins Leben gerufen, um die „Straßen sauber zu halten“. Solche und ähnliche Probleme werden Tag für Tag im deutschen Fernsehen gelöst, ein Sendeformat erlebt einen Boom, den vorher wohl kaum einer erwartet hatte. Startete „Barbara Salesch“ noch mit eher eintönigen, da echten, Fällen in Form eines Schiedsgerichtes, entwickelte sich das Show-Konzept bald in die Fiktionalität weiter. Nicht mehr genuin „echte“ Alltagsprobleme, sondern künstliche, aber „wahre“ Probleme finden sowohl Behandlung als auch Lösung vor einem stetig wachsenden Publikum.