Das war es also

February 2nd, 2009
 | Categories: Bieter vs. Ledia Carroll
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Sie sehen hier die letzte Veränderung des PWC 1st Public White Cube im SF MOMA in San Francisco. Welche Aufregungen haben wir durchlitten! Einmal wurden wir an der Nase herumgeführt, weil ein Bieter rein gar nichts verändert und uns statt dessen eine digitale Manipulation untergeschoben hatte, dann hat Scott MacLeod einen „Situation Room” gebaut, der zu diplomatischen Verstimmungen zwischen ihm, dem PWC-Team und einem Mitglied der Museumsleitung geführt hatte. Und kurz vor Schluss hat Aiofe van Linden Tol einfach alles kurz und klein gesägt und den Public White Cube als postapokalyptischen Scherbenhaufen präsentiert. Da wirkt das, was unser letzter Gewinner Emanuel Tschumi realisiert hat, beinahe brav. Tschumi ist ein Professioneller. Er ist Art Director und Gestalter in Zürich. Also hat er den Ton gemildert. Unser Finale ist reine Poesie.

Tschumi, prominenter Grafiker der sonst eher typografiestrengen Zürcher Szene, hat sich aus dem Archiv seines guten Freundes Willy Fleckhaus, ein altes Heft der Zeitschrift „Twen” aus dem europäischen Wasserscheidenjahr 1968 geliehen und eine Seite per Kurier um die halbe Welt geschickt. Er hat dem Paket ein paar Nadeln beigelegt und dem Team des Museums aufgetragen, es irgendwo im Blickwinkel der Webcam ungerahmt aufzuhängen. Twen, das was ein halbseidenes Heft mir ganz großer Grafik, ein epochaler Schub im grafischen Zeitgeist und libertäres Promotion-Blatt des befreiten Radical Chic. Und Fleckhaus war Mitgründer dieser freigeistigen Gazette, bevor er bei Suhrkamp und einer großen deutschen Tageszeitung die Buch- und Magazindesigns der bürgerlichen westdeutschen Intellektualität prägte. Fleckhaus ist ein Held in Grafik-Europa, der ganz standesgemäß in Italien verstarb.

Und was sieht man nun im PWC? Ein nacktes Pärchen, das auf einem Pferd durch eine Dünenlandschaft reitet, im Bildvordergrund die Spuren im Sand. Oh weh, Jugendromantik! Softcorekitsch. Sexuelle Befreiung für ältere Zeitungsvoyeure. Aber dann ist da dieser Charme, diese kommerzielle Utopie einer untergegangenen Welt, ein Stück veröffentlichter Privatgeschmack an einer Museumswand. Tschumi will uns mit uns selbst versöhnen und hat dem Museum dabei ein auratisches Original verschafft. Er schickt es aus dem alten Europa per Post an die Pazifikküste. Ein „Original” freilich, dass aus einer in hoher Stückzahl vertriebenen Zeitschrift stammt. Ein Sammlerstück immerhin. Er möchte es – beinahe ironisch, könnte man meinen – so platziert haben, dass es von der Webcam aus einsehbar ist. Ist es das, was am Ende bleibt von der Idee der Partizipation? Ein romantisch-verklärender Wink aus der Vergangenheit? Am Ende zählt auch beim Ritt in die Sonne klar die Haltungsnote. Tschumi, der Kunstbuchexperte und Künstlerfreund, hat beiläufig erklärt, wie Appropriation funktioniert. Er nimmt das Museum nicht ernst. Er hat Willy Fleckhaus ein Denkmal gesetzt, aber nur ein kleines, ein ironisches. Es ist egal, was man an die Wände hängt. Wichtig ist, dass man dabei keine beengende Kleidung trägt und den Todernst der Museumspolitik ignoriert.