Wir müssen reden

Karl Heinz Jeron • 2007

Wir müssen reden ist das Tagebuch eines fiktiven Borderline Patienten. Es ist der Versuch reale Situationen und mögliche Erlebnisse zu beschreiben. Es geht darum Gedanken festzuhalten, Wahrnehmungen und Empfindungen zu fixieren.

Der Neurotransmitter Serotonin ist der biochemische Schlüssel zum Glück. Er ist der alles durchdringende Stimmungsaufheller. Er vertreibt die Angst, Kummer und Sorgen, Pessimismus und Grübeln. Serotonin macht uns von unbekümmerter, gelassener, ausgeglichener und zufriedener.

Wir müssen reden beschreibt Situationen in denen der Simmungsaufheller Serotonin nicht greift.

Ich schaue aus dem Fenster und wundere mich. Hinter mir die Geräusche der Bowlingbahn. der Kneipenbetrieb. Hinter mir die ganz natürlichen Geräusche des Lebens. Vor mir das Glas Bier und vor dem Fenster dort, der Parkplatz vor dem Haus. Nicht viel los um diese Zeit auf dem Parkplatz…

Ich trinkte. Alkohol, wie immer, wie sonst auch. ich wundere mich über die Welt da draussen. So laut, so bunt, so… fremd, kalt und feindlich. Und ich hier drinnen…

Eingesperrt in einem Körper, der nicht zu ihm passt. Der krank ist, alt und wund ist. Der sich bewegt und tut, was man ihm sagt, von ihm will. Der sich auch oft wehrt, zurückschlägt. Brutal, eiskalt, ohne Vorwarnung. Der um sein Überleben kämpft. um den nächsten Tag kämpft.

Allein mit mir und dem Bierglas. Draussen tobt das Leben, hinter mir der Betrieb der Bowlingbahn. laut und ein klein wenig aufdringlich. Leute lachen. Sind froh und vielleicht auch ein klein wenig glücklich. In ihrem Leben, auf ihre Art. So, wie sie es können und kennen. So, wie ich es nicht kenne und sie, die Leute dort nicht verstehe.

Nur sitze ich dort ganz allein und verlassen.

Alle sehen nur den Körper, in dem ich stecke. Alle sehen nur diese Hülle. Alle machen sich daraus ihr Bild von mir. Sehen nie mein Leid, meine Tränen und meine Trauer, meine Einsamkeit. Meine Sehnsucht nach einem Spielzeug und sei es noch so tödlich. Meine Sucht…

Die Bedienung kam und brachte ein neues Bier.